Erlebnisorientierte Pflege.

Erlebnisorientierte Pflege ist ein Oberbegriff für einige häufig genutzte Therapiemethoden aus die Niederlande bei der Pflege von Menschen mit Demenz und geistiger Behinderung. Die erlebnisorientierte Pflege berücksichtigt die individuellen Bedürfnisse eines Klienten und setzt nicht bei seinen Einschränkungen an.
 
Was bedeutet erlebnisorientierte Pflege?

Ein Erlebnis ist die Art und Weise, wie jemand etwas erlebt. Das kann entweder positiv oder negativ sein. Bei einem erlebnisorientierten Ansatz steht das individuelle Erlebnis im Mittelpunkt. Oftmals wird versucht, ein negatives Erlebnis in ein positives umzuwandeln.

Bei der erlebnisorientierten Pflege spielt das Erlebnis des Klienten eine entscheidende Rolle. In diesem Fall werden im Pflegeprozess die individuellen Bedürfnisse berücksichtigt. Dabei wird ein negatives Erlebnis, beispielsweise ein Stress verursachender Pflegemoment, soweit wie möglich in ein positives Erlebnis umgewandelt.

Das Ziel der erlebnisorientierten Pflege

Die erlebnisorientierte Pflege wird auf die individuellen Bedürfnisse des Klienten zugeschnitten, verbessert die sozialen Kontakte und reduziert herausforderndes Verhalten. Durch die richtige Behandlung und Herangehensweise – ob in Kombination mit Technik oder nicht – kann die Lebensqualität mithilfe der erlebnisorientierten Pflege erhalten bleiben oder gesteigert werden.

Die Anwendung der erlebnisorientierten Pflege

Die erlebnisorientierte Pflege ist oftmals eine Kombination verschiedener Ansätze in der Pflege, bei denen man bewusst probiert, Kontakt mit dem Klienten aufzubauen. Die Art und Weise ist bei jedem Klienten anders und abhängig von der Form, Art und Schwere der Krankheit oder Behinderung. Es gibt beispielsweise verschiedene Stadien der Demenz, bei denen sich die Therapiemethoden unterscheiden.

 

Reminiscentie door middel van oude beelden

 

1. Eigene Stärke als Ausgangspunkt
Wenn ein Demenzkranker oder jemand mit einer (geistigen) Behinderung ins Pflegeheim kommt und eine Pflegeabhängigkeit entwickelt, kann daraus eine stationäre Unterbringung resultieren. Eine stationäre Unterbringung ergibt sich häufig, weil jemand in eine andere (Pflege-)Umgebung gerät, in der er sich an die Regeln und den Lebensstil anpassen muss und dort, wo unbekannte Menschen – Pflegekräfte und Mitbewohner – Teil seines Lebens werden. Dies kann zu großer Verwirrung führen.

2. Validierung
Die Validierung ist eine Methode, mit desorientierten älteren Menschen zu kommunizieren und sie bei der Wiedererlangung ihres Selbstwertgefühls, ihrer Identität und ihrer Selbstachtung zu unterstützen. Die Grundlage der Validierung ist die Akzeptanz und Achtung der Person mit Demenz. Die Pflegekräfte müssen sich in die Wahrnehmung der Person mit Demenz einfühlen, indem sie aufmerksam zuhören, beobachten, dem Blickkontakt folgen und Körpersignale verstehen. Es ist wichtig, dass das Erlebnis und die Gefühle dieser Person bestätigt (validiert) werden. Grundsätze der Validierung sind: keine Konfrontation, keine Befehle, Argumente der Person nicht umstürzen, keine Kritik, Gefühle nicht ignorieren, keine Bestechung, keine Lügen.

3. Reminiszenz
Eine Reminiszenz besteht aus Interventionen, um Erinnerungen zurückzugewinnen oder zu vergegenwärtigen. Dabei werden positiv verarbeitete Ereignisse aus der Vergangenheit abgerufen. Eine Reminiszenz gibt der Pflegekraft oder dem Familienmitglied einen Zugang, um die Interaktion und Kommunikation zu verbessern. Indem man sich alte Fotos aus der Vergangenheit ansieht, mit alten Gegenständen arbeitet oder bekannte Musik hört, bekommt der Klient ein vertrautes Gefühl. Eine Voraussetzung, um die Reminiszenz anwenden zu können, ist es, die Lebensgeschichte des Demenzkranken zu kennen.

Um die Lebensgeschichte des Klienten zu erfahren, ist in der Regel die Zusammenarbeit mit der Familie unerlässlich. Man kann die Familie beispielsweise ein Lebensbuch erstellen oder Bilder sammeln lassen, wobei das Hauptaugenmerk auf den schönsten und wichtigsten Momenten im Leben des Klienten liegt.

Es besteht kein oder ein schwieriger Kontakt zur Familie? Dann kann man probieren, mithilfe charakteristischer Wandbilder, Fotos und Objekte selber etwas über die Interessen des Klienten herauszufinden.

"Um die Lebensgeschichte des Klienten zu erfahren, ist in der Regel die Zusammenarbeit mit der Familie unerlässlich."

Reminiszenz wird häufig in der Altenpflege eingesetzt. Allerdings bekommt man es auch in der Behindertenpflege mit immer älter werdenden Menschen zu tun; oft entsteht eine Kombination aus Demenz und geistiger Behinderung.

4. Snoezelen
Der Begriff „Snoezelen“ ist eine Kombination der niederländischen Wörter „snuffelen“ (dt.: entdecken/erkunden) und „doezelen“ (dt.: dösen/entspannen). Es ist eine der ältesten Formen der erlebnisorientierten Pflege und ist 1974 in der Behindertenpflege entstanden. Ziel des Snoezelen ist es, alle Sinne durch Klang, Licht, Geruch und Berührung zu stimulieren. Auf diese Weise entstehen mehr Reize, die Entspannung und Ablenkung bieten. Dadurch reduzieren sich Unruhe und herausforderndes Verhalten.

Beim Snoezelen wird der Klient häufig in einen speziell eingerichteten Snoezel-Raum verlegt, in dem verschiedene Materialien, die die Sinne anregen, kombiniert werden. Heutzutage ist es auch möglich, mit Produkten wie dem Qwiek.up im eigenen Zimmer oder in der Umgebung mobil zu snoezelen. Dadurch entsteht noch mehr Verbindung zur eigenen Erlebniswelt.

Neben den obengenannten Methoden gibt es auch andere Ansätze – etwa die Haptonomie, Musiktherapie und Aromatherapie, die Teil einer erlebnisorientierten Pflege sind. Der Kern der erlebnisorientierten Pflege ist eine auf den Einzelnen abgestimmte Form der Pflege, Begleitung und Unterstützung. Es handelt sich um eine Form der Pflege, die auf Respekt und die Erhaltung des Selbstwertgefühls des Klienten basiert.

Quellen:
https://mens-en-gezondheid.infonu.nl/diversen/158118-belevingsgerichte-zorg.html
Belevingsgerichte zorg in de praktijk – Orbis thuis