Wie hilft der Sinnesgarten Menschen mit Demenz?

Ein Sinnesgarten - Was ist das eigentlich? Warum sind diese Gärten besonders für ältere Menschen mit Demenz geeignet? Und was muss ein Sinnesgarten bieten?

Sie haben wahrscheinlich schon einmal von dem Begriff Sinnesgarten gehört. Viele Pflegeeinrichtungen haben bereits einen solchen Garten angelegt. Zu dem Thema wurde viel geforscht und in einer Sache sind sich alle einig: Der Sinnesgarten wirkt sich positiv auf die Lebensqualität von Demenzkranken aus. Um dies zu erreichen, ist es jedoch wichtig, eine Reihe von Faktoren zu berücksichtigen. Aus diesem Grund listen wir Ihnen gerne alle Details zu dem Sinnesgarten auf.

Was ist ein Sinnesgarten?

Ein Sinnesgarten ist ein Garten für ältere Menschen mit Demenz in der Außenumgebung eines Pflegeheims, in dem die Sinne wie Riechen, Hören, Sehen, Fühlen und Schmecken geweckt und ältere Menschen zu Aktivitäten angeregt werden. Er verwendet natürliche Elemente wie Bäume, Sträucher, Kräuter, Blumen und Wasser sowie Berührungs- und Bewegungselemente, Musik, Klang und Kunstobjekte.

Für Menschen mit Demenz, insbesondere in einem fortgeschrittenen Stadium, ist die sensorische Wahrnehmung oft die einzige Möglichkeit, Eindrücke zu sammeln. Auf diese Weise werden sie sich der Welt um sie herum bewusst.

Die positiven Auswirkungen eines Sinnesgartens

Forschung der Universität Wageningen zeigt, dass eine grüne Umwelt einen positiven Beitrag zur Lebensqualität und zur menschlichen Gesundheit leistet, indem sie:

  Stress reduziert und die Konzentrationsfähigkeit verbessert;
  anregt zu Körperübungen;
  Kontakte zwischen Bewohnern, Betreuern und Pflegepersonal fördert;
  die Atmung fördert und Feinstaub minimiert.

Es gibt auch einen Zusammenhang zwischen dem Sehen einer natürlichen Umgebung und der Verbesserung der Gesundheit. Dies sorgt für eine Stressreduzierung. Außerdem ist die Erfahrung von Schmerzen bei einigen Menschen geringer, wenn sie die Natur sehen, was beispielsweise dazu führen kann, dass weniger Schmerzmittel verwendet werden müssen.

Durch die Schaffung einer sicheren, grünen Außenumgebung für Menschen mit Demenz reduzieren Sie Hinlauftendenzen, wecken Erinnerungen und stimulieren Bewegung und Entspannung.

Die positiven Auswirkungen eines Sinnesgartens

Wie erfüllt der Sinnesgarten die Bedürfnisse von Menschen mit Demenz?

Im Wesentlichen erfüllt der Sinnesgarten drei Bedürfnisse von Menschen mit Demenz:
1. Sensorische Stimulation
2. Aktivität
3. Orientierung
 

1. Reminiszenz durch sensorische Stimulation

Bei Menschen mit Demenz kommt es zu einem Verlust des Kurzzeit- sowie des Langzeitgedächtnisses. Das Aufzeichnen sowie das Abrufen von Informationen ist daher oft schwierig. Gerade durch das Platzieren von Elementen im Sinnesgarten, die Erinnerungen an die Vergangenheit wecken, und durch das Akzeptieren des Begleiters kann die Person ihre Gefühle leichter ausdrücken, ihre Geschichte erzählen und sich entspannen. Diese Form der Reminiszenz wirkt sich positiv auf Menschen mit Demenz aus. Besonders bei schwerer Demenz ist es wichtig, die Sinne, also den Geruch, die Berührung, das Hören, das Sehen und den Geschmack zu stimulieren. Ein Garten ist dafür ein idealer Ort.

Der Sinnesgarten ist perfekt, um mit der richtigen Bepflanzung alle Sinne zu stimulieren. Für diejenigen, die mehr darüber wissen möchten, bieten die Websites von Gardena und gartentipps.com viele schöne Beispiele (s. u.). Bemerkenswert sind hier die vielen verschiedenen Möglichkeiten, das Gefühl des "Sehens" mit Pflanzen zu stimulieren. Sie können beispielsweise Pflanzen mit satten Farben auswählen - so werden Menschen, deren Sehvermögen langsam abnimmt, immer noch gereizt. Schaffen Sie ein intensives farbliches Kontrastspiel, das Erregung hervorruft, oder fördern Sie Entspannung durch ähnliche Blüten und Blätter, z.B. in weiß und grau.

Die positiven Auswirkungen eines Sinnesgartens
„Besonders bei schwerer Demenz ist es wichtig, die Sinne, also den Geruch, die Berührung, das Hören, das Sehen und den Geschmack zu stimulieren. Ein Garten ist dafür ein idealer Ort“
 

2. Der Sinnesgarten stimuliert Aktivitäten für ältere Menschen mit Demenz.

Für ältere Menschen mit Demenz ist es besonders wichtig, täglich aktiv zu sein, da sie Schwierigkeiten haben, sich zu beschäftigen. Aktiv zu sein gibt darüber hinaus auch eine Form von Sinn und Selbstwertgefühl. Dies wird weiter angeregt, wenn ebenfalls mit verschiedenen Personen interagiert wird. Natürlich bietet es auch Ablenkung und kann eine schöne Struktur im Tagesablauf sein..

Ein Sinnesgarten ist auch ein idealer Weg, um in allen vier Phasen der Demenz “Das gefährdete Ich, „Das verwirrte Ich“, „Das versunkene Ich“ und „Das verborgene Ich“ Menschen mit Demenz zu stimulieren. Lesen Sie hier mehr über die vier Stadien der Demenz

Der Sinnesgarten bietet aktive und passive Aktivitäten für ältere Menschen mit Demenz.

Aktivitäten sind eine Mischung aus aktiv und passiv. Möglichkeiten, sich zu treffen sind genauso wichtig wie Orte, an denen sich die Bewohner zurückziehen können. Untersuchungen haben gezeigt, dass verschiedene entspannende Außenangebote der Zunahme von Verhaltensauffälligkeiten bei Menschen mit Demenz entgegenwirken. Sie reduzieren Angstgefühle, Nervosität und Traurigkeit und aktivieren das Langzeitgedächtnis. Ein gutes Beispiel hierfür sind Spaziergänge.

Stellen Sie sicher, dass die Aktivitäten der Situation des Bewohners entsprechen. Also nicht zu anstrengend oder zu schwierig, andererseits aber auch nicht unterfordern. Das Wichtigste ist, dass die Person mit Demenz es genießt. Im Garten können folgende Aktivitäten durchgeführt werden:

Nützlich und aktiv: Blätter harken, auf Kinder aufpassen, Blumen pflanzen, Unkraut jäten, Wege fegen, Blumen wässern, Stühle und Tische abschmirgeln / streichen, Gartenmöbel reinigen, Tiere füttern, Wäsche aufhängen, gießen und Gemüse / Obst ernten.
Spaß und aktiv: spazieren gehen, picknicken, Hufeisenwerfen, malen, Tiere besuchen und die Bewegungselemente nutzen.
Entspannt und passiv: Kaffee- oder Teetrinken, Zeitschriften lesen, Musik hören
Herausfordernd: Gedächtnisspiel „Erinnerst du dich an dieses Kraut?“, Geruch und Geschmack.
Spontan: Erinnerungen wecken: „Erzählen Sie mir mehr darüber“

Fast alle der oben genannten Aktivitäten werden normalerweise in Kombination mit einem Begleiter durchgeführt. Für einen Bewohner ist es schwierig, ohne Begleiter spontan Erinnerungen heraufzuholen. Auch verwenden die Bewohner vorhandene Bewegungselemente nicht so schnell. Aktivitäten, die auf Initiative der Person mit Demenz durchgeführt werden beziehen meistens bekannte Elemente mit ein. Denken Sie zum Beispiel an einen Pflanztisch, einen Stall oder eine Wäscheleine.

3. Verbesserte Orientierung durch die vier Jahreszeiten

Menschen mit Demenz leiden häufig unter einer verminderten Orientierung in Bezug auf Zeit, Ort oder Person. Dies ist für sie nicht nur unangenehm, sondern oft auch frustrierend. Untersuchungen zeigen, dass die Desorientierung im Laufe der Zeit weniger schnell auftritt, wenn Menschen mit Demenz in Kontakt mit der Natur bleiben und die verschiedenen Jahreszeiten erleben können.

Arbeiten Sie also besonders mit Pflanzen und Bäumen, die sich in der Jahreszeit ändern, ein Apfelbaum zum Beispiel. Oder nehmen Sie Weinreben, die im Herbst knallrot werden. Stellen Sie sicher, dass die Bewohner die Jahreszeiten mit ihren Sinnen erleben können. Das funktioniert wahrscheinlich besser als einen Kalender aufzuhängen.

Es ist auch wichtig, auf die Wegestruktur zu achten. Breitere Wege mit einem klaren Endpunkt, wie z. B. eine Sitzbank, fördern die Klarheit. Gerade durch Platzieren aussagekräftiger Elemente am Anfang, in der Mitte und am Ende eines Laufkurses kann „herumwandern“ in „fokussiertes Gehen“ verändert werden. Die Orientierung wird erhöht, wenn dem Sinnesgarten bekannte Elemente hinzugefügt werden, zum Beispiel ein Rechen im Gemüsegarten.


Der ideale Sinnesgarten: eine Mischung aus vier Gartentypen

Um auf die unterschiedlichen Bedürfnisse älterer Menschen mit Demenz zu reagieren, ist der ideale Sinnesgarten eine Kombination aus vier Gartentypen: Dem Begegnungsgarten, dem Entspannungsgarten, dem Aktivitätengarten und dem sensorisch-anregenden Garten. Auf diese Weise kann jeder einen Platz im Sinnesgarten finden, wo er sich wohl fühlt.

1. Sozialer Kontakt im Begegnungsgarten

Im Begegnungsgarten kommen Menschen mit Demenz, Angehörige, Bekannte, Betreuer, aber auch Anwohner der Nachbarschaft zusammen. Gemeinsame Tagesaktivitäten können dort organisiert werden. Der Garten bietet auch Stellen, an denen der Bewohner allein mit seinem Partner sein kann. Denken Sie an Rückzugsorte wie versteckte Sitzecken. Der Garten bietet außerdem Möglichkeiten für Enkelkinder zum Spielen. All dies können ältere Menschen sichtbar genießen.

Wenn der Garten für Anwohner öffentlich ist, beispielsweise in Kombination mit einer Tierwiese, stimuliert dies zusätzliche Interaktion. Anwohner der Nachbarschaft fühlen sich möglicherweise geneigt, selbst die Initiative zu ergreifen und mit älteren Menschen ins gespräch zu kommen. Das Gefühl, eingesperrt zu sein, lässt nach und die Bewohner erfahren so etwas wie einen normalen Alltag. Dies bietet einen enormen Mehrwert für ältere Menschen mit Demenz.

2. Zur Ruhe kommen im Entspannungsgarten

Im Entspannungsgarten können die Bewohner dem Alltagsstress des Wohnbereichs entfliehen. Natur und Freiluft wirken Stress entgegen. Das Beobachten der Pflanzen und das Hören von plätscherndem Wasser und singenden Vögeln lässt einen zur Ruhe kommen. Das Sonnenlicht vermittelt das Gefühl von Wärme. Man kann einfach auf einer Bank sitzen und die Umgebung genießen.

Bronnen

Wageningen UR. (2009). Effecten van nabije natuur op gezondheid en welzijn. Wageningen: Wettelijke Onderzoekstaken Natuur & Milieu] https://www.belevingstuinen.nl/
https://www.belevingstuinen.nl/wp-content/uploads/2019/11/14933-Concept-Audit-tool-belevingstuin.pdf
https://www.belevingstuinen.nl/wp-content/uploads/2019/11/14993-Eindrapport-Belevingstuinen-1.pdf
https://intogreen.nl/belevingstuinen-voor-alzheimerpatienten/

3. In Bewegung kommen im Aktivitätengarten

Im Allgemeinen ist die ältere Generation mit Arbeiten im Garten groß geworden. Denken Sie an Gemüsegärten, Kräutergärten und Obstgärten. Natürlich ist hierbei keine schweißtreibende Arbeit das Ziel oder gar möglich. Aber jede Aktion, zu der ein Bewohner ermutigt wird, trägt zu seiner Lebensqualität bei.

Es gibt auch oft verschiedene Spielangebote wie eine Boulebahn oder gemütliche (gemeinsame) Körperübungen zu Musik. In diesen Gärten gibt es viele soziale Kontakte, welche zu Gesprächen anregen und der Vereinsamung entgegen wirken.

4. Sich erinnern im sensorisch-anregende Garten

Im sensorisch- anregenden Garten werden Elemente hinzugefügt, die zur Wahrnehmung des Bewohners beitragen. Jedes Element hat im Garten einen individuellen Wert. Das Element ist auf eine Erinnerung, z.B. aus der Kindheit ausgerichtet, sorgt aber indirekt auch für Bewegung. Das Sehen dieser Elemente weckt Erinnerungen und bietet Diskussionsthemen. Diese Art von Gesprächen entsteht durch die Interaktion zwischen dem Bewohner, dem Betreuer und der Umgebung wodurch der Bewohner im hier und jetzt gehalten wird.